Wie das Internet mein Leseverhalten verändert hat {Blättergeraschel}

Momentan wage ich es kaum, in eine gewisse Ecke in meinem Schlafzimmer zu schauen. Nicht etwa, weil dort eine fiese Spinne Stellung bezogen hat, nein, in dieser Ecke befindet sich mein Sub-Regal. Und das sorgt derzeit dafür, dass mir in manchen Momenten dezent der Angstschweiß ausbricht.

Ihr kennt das sicher alle, die Gefühlswelt hinsichtlich des Subs schwankt zwischen Liebe und Hass. Eigentlich ist das Verhältnis zwischen mir und meinem Sub echt ausgewogen, wir verstehen uns. Der Bestand schwankt zwischen 2 oder 3 Büchern und maximal bis an die 20, also wirklich eigentlich keine Zahl zum Verzweifeln. Hardcore-Sub-Besitzer werden jetzt sicher nur müde lächeln.

Mein Problem ist auch nicht der Sub an sich, sondern generell mein verändertes Leseverhalten. Meine Wunschliste ist ellenlang und es finden sich dort eigentlich Bücher, die ich aktuell viel lieber lesen würde als die, die bereits auf mich warten. Auch das dürfte den meisten Bücherwürmern bekannt sein. Ich greife momentan weniger zu einem Buch, welches mir spontan gut gefällt, sondern eher zu solchen, die sich gerade gut für einen Beitrag machen würden und schon viel zu lange auf dem Sub liegen. Generell gut für den Sub und den Geldbeutel. lässt mich mein aktuelles Leseverhalten jedoch oft eher unbefriedigt zurück. Insbesondere, wenn ich einem Buch während des Lesens nicht die ihm zustehende Aufmerksamkeit geben kann, sondern stattdessen an das andere Wahnsinns-Buch denke, das ich soeben auf Amazon und Co entdeckt habe.

Die Tage dachte ich auf einmel voller nostalgischer Sehnsucht an die gute alte Zeit zurück. Die Zeit, in der ich zwar weniger Kohle für Neuanschaffungen und dafür genug Zeit hatte, aber irgendwie auch weniger Auswahl, sodass das eigentlich alles gar nicht so schlimm war. Ich habe bewusster gekauft und auch bewusster gelesen. Ich habe sogar meine Lieblinge rereaden können, was ich heute zwar auch gerne mal wieder tun würde, wozu mir aber neben all den Neuerscheinungen schlicht die Zeit fehlt. Ich habe momentan das Gefühl, ich habe gar nicht genug Lebens- und Lesezeit übrig, um all die wundervollen Bücher zu lesen, die dort draußen noch auf mich warten oder gar erst geschrieben werden. Und ich würde den Büchern einfach wieder gern mehr gerecht werden.

Früher war es für mich ein Highlight, in meinen Lieblingsbuchläden nach neuen Büchern zu stöbern. Als Schülerin musste ich mit Taschengeld ordentlich haushalten und solche Trips waren nicht allzu oft drin. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie ich damals die Geschichte um Bella und Edward für mich entdeckte oder wie die Tribute von Panem-Trilogie gleich komplett mit musste. Oder ganz früher, fast noch in der Steinzeit, als ich nach Schulschluss mit meiner Mum noch in die kleine Dorfbibliothek bin, um dort Harry Potter für mich zu entdecken, ein Buch, zu dem sie mich sogar zunächst überreden musste, das aber soviel für mich getan hat.

Je älter ich wurde umso größer wurde auch der Einfluss des Internets. Ich bin ein Kind der 90er und kann mit Stolz sagen, dass ich mich damals wie ein Pioneer gefühlt habe, als ich in der Computer-AG meine erste Email-Adresse eingerichtet und das erste mal gechattet habe.

Langsam fing ich an, das Internet auch dafür zu nutzen, der Büchersucht ausgiebig zu frönen. Auf Amazon gab es auf einmal diese Vorschläge – „Anderen Kunden, die dieses Buch gekauft haben, gefiel auch…“. Mein Horizont erweiterte sich schlagartig über die übliche kleine Auswahl in der Buchhandlung im Dorf hinaus hin zu einer immer weiter wachsenden Wunschliste. Das traf sich natürlich gut mit wachsenden finanziellen Mitteln und der Möglichkeit, gebraucht auch über das Internet zu beziehen.

Und dann schlug sie voll durch, die Sucht. Gepaart mit dem Endorphinausstoss beim Schnäppchen ergattern auf Ebay blieben die bereits vorhandenen gelesenen Bücher im Regal und verstaubten. Statt regelmäßiger Rereads wurden die Regale immer voller, es musste auch hier entsprechend Nachschub her. Meine eigene kleine Bibliothek entstand.

Als dann noch meine Lieblings-„Schwägerin“ in Spe, die wundervolle Jacquelin von bookaholic. dieselbe Leidenschaft wie ich teilte und mich in gewisse Facebook-Gruppen über Bücher einlud, war es ganz vorbei, ich war verloren. So viele Neuheiten, Gleichgesinnte, Buchempfehlungen – ich konnte mir vor lauter Büchern kaum noch retten.

Die Wunschliste explodierte, der Sub ebenso – und ich landete schließlich hier auf meiner eigenen kleinen Seite, um für euch diesen Beitrag zu verfassen.

Manchmal fehlt es mir, die Zeit, als ich mich budgetmäßig nur für eine kleine Auswahl entscheiden konnte und bewusster Bücher gekauft habe. Allerdings wären mir dadurch auch viele Schätze einfach durch die Lappen gegangen, ich hätte einige tolle Autoren nie kennen gelernt und mich vielleicht nie z.B. mit Selfpublishern auseinandergesetzt. Und ohne die große Buch-Community wäre mein Leben schnöder und langweiliger. Ihr alle habt meinen Horizont erweitert, mich mit euren tollen Beiträgen angespornt und das ein oder andere mal zum Kauf verführt. Ich möchte die Entwicklung im großen Ganzen nicht missen, da sie mich hauptsächlich bereichert hat. Nur den Druck, den mache ich mir selbst. Ich habe mir fest vorgenommen, einfach mal wieder mehr in Buchhandlungen stöbern zu gehen und spontaner zu lesen.

Nur manchmal, wenn der Sub wieder komisch aus der Ecke grummelt, ja dann wünsche ich mich wieder zu Harry in die kleine Dorfbibliothek zurück, in der alles angefangen hat.

Hat sich euer Leseverhalten über die Jahre auch verändert? Findet ihr diese Veränderung gut oder schlecht? Ich bin gespannt auf eure Antworten.

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7 Gedanken zu “Wie das Internet mein Leseverhalten verändert hat {Blättergeraschel}

  1. Hey,
    ich habe bei deinem Beitrag sehr viel entdeckt, wo es mir ähnlich geht 🙂 Auch wenn mein SuB ein klein wenig länger ist 🙈
    Vor allem seit ein paar Monaten, versuche ich auch vermehrt meine SuB-Leichen abzuarbeiten, obwohl ich eigtl lieber ein neues Buch von meiner Amazon Wunschliste Bestellen würde.. besagte Liste ist derzeit bei 618 -.-
    Internet und die Digitalisierung machen es einfach leichter schnellen Zugang zu neuen Büchern oder dem Angebot als Ganzen zu erhalten. Ich weiß noch als ich früher einfach in unseren ortsansässigen Buchladen marschiert bin und mich in ein Buch verliebt habe, das dann auch gekauft und gelesen wurde.
    Gerade auch durch das Bloggen wird man auch mit viel Lesestoff konfrontiert und normalerweise komme ich sowohl mit meinem SuB als auch den ganzen verlockenden Angeboten ganz gut klar, aber manchmal hat man auch eine schlechte Phase 😉
    Was mir auch auffällt, je mehr man liest desto kritischer wird man und umso schwerer ist es für ein Buch mich wirklich zu flashen.
    Dir noch einen schönen Sonntag!

    Alles Liebe ❤
    Sara

    Gefällt 1 Person

    1. Stimmt, das Bloggen hat entsprechend Einfluss auf die Auswahl 😉 bei mir ist es leider auch so dass ich vieles generell gut finde aber mich selten etwas wirklich begeistern kann! Umso schöner ist es dann, wenn man wieder ein Highlight entdeckt hat und es sofort mit den Lesern teilen kann. Liebe Grüße

      Gefällt 1 Person

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