[Rezension] Nevernight: Die Prüfung – Jay Kristoff

Leute,

selten ist es mir so schwer gefallen, eine Rezension zu schreiben! Nicht etwa, weil das Buch schlecht wäre – im Gegenteil! Nevernight hat meinen Leserhorizont erweitert und es ist so gut, dass ich es eigentlich wie Gollum als meinen Schatz hüten will, euch aber gleichzeitig mit meiner Liebe anstecken will!

Ihr merkt schon, ich bin arg begeistert! Ich habe Nevernight im Frühjahr entdeckt und sofort angeschafft… kurz darauf erfuhr ich von der deutschen Übersetzung im Fischer Verlag. Ich bin wirklich unglaublich froh, dass das Buch damit auch Lesern offen steht, die nicht auf englisch lesen.

Bevor ich aus dem Schwärmen nicht mehr herauskomme, hier erst einmal der Klappentext:

Sie ist keine Heldin. Sie ist eine Frau, die Helden fürchten.

»Nevernight« ist der erste Roman einer neuen bildgewaltigen und epischen Fantasy-Serie von »New York Times«-Bestseller-Autor Jay Kristoff.

In einer Welt mit drei Sonnen,
in einer Stadt, gebaut auf dem Grab eines toten Gottes,
sinnt eine junge Frau, die mit den Schatten sprechen kann, auf Rache.

Mia Corvere kennt nur ein Ziel: Rache. Als sie noch ein kleines Mädchen war, haben einige mächtige Männer des Reiches – Francesco Duomo, Justicus Remus, Julius Scaeva – ihren Vater als Verräter an der Itreyanischen Republik hinrichten und ihre Mutter einkerkern lassen. Mia selbst entkam den Häschern nur knapp und wurde unter fremdem Namen vom alten Mercurio großgezogen, einem Antiquitätenhändler. Mercurio ist jedoch kein gewöhnlicher Bürger der Republik, er bildet Attentäter für einen Assassinenorden aus, die »Rote Kirche«. Und Mia ist auch kein gewöhnliches Kind, sie ist eine Dunkelinn: Seit der Nacht, in der ihre Familie zerstört wurde, wird sie von einer Katze begleitet, die in ihrem Schatten lebt und sich von ihren Ängsten nährt. Mercurio bringt Mia vieles bei, doch um ihre Ausbildung abzuschließen, muss sie sich auf den Weg zur geheimen Enklave der »Roten Kirche« machen, wo sie eine gefährliche Prüfung erwartet …
Nach dem zusammen mit Amie Kaufman verfassten Science-Fiction-Roman »Illuminae« ist »Nevernight« der neueste Geniestreich von Jay Kristoff: für die Leser von Anthony Ryan, Patrick Rothfuss und Sarah J. Maas.

(Quelle: Amazon)

Jay Kristoff kennen manche vielleicht als Co-Autor der Illuminae-Akten, ein Buch, welches ebenfalls neue Maßstäbe setzt. Meine Erwartungshaltung war also, auch aufgrund der vielen begeisterten Stimmen im englischsprachigen Raum, extrem hoch.

Bereits auf den ersten Seiten zeigt sich, dass das Buch äußerst brutal, bildgewaltig und außergewöhnlich ist – es ist eindeutig nichts für schwache Nerven! Wenn ihr mit expliziten Gewalt- und Sexszenen nichts anfangen könnt, dann greift lieber zu etwas anderem als Nevernight.

Jay Kristoff beschreibt mit diabolischer Freude und hoher Sprachgewalt das Leben von Mia Corvere, deren Familie brutal auseinander gerissen wird. Seit diesem Tag sinnt sie auf Rache gegen die Verantwortlichen. Um diese ausüben zu können, möchte sie in die Reihen der Red Church aufgenommen werden, jene Gruppe von Assassinen, die in regelmäßigen Abständen neue Anwärter in einem harten Wettkampf anlernen.

In den ersten Kapiteln kann man bereits die volle Genialität erkennen mit der Jay Kristoff das Buch konzipiert hat. Es gibt ausführliche Fußnoten und wahnsinnige Rückblenden, bei denen zwei Szenen aus Mias Leben eigentlich inhaltlich völlig konträr sind, durch das Erzählgeschick des Autors aber zu einer Einheit verschmelzen. Chapeau!

Mit zunehmender Handlung nehmen diese Spielereien ab und werden auf ein stilistisches Maß reduziert, bei dem die Storyline sich frei entfalten kann. Jay Kristoff zeigt hier Fingerspitzengefühl!

Gleiches zeigt sich auch beim Setting! Ich bin unheimlich verliebt in Itreya und möchte am liebsten selbst durch Godsgrave wandeln! Das Setting entspricht einem Mix aus Venedig und altrömischer Hochkultur – auch hier hat sich der Autor nicht lumpen lassen und packt alles aus was geht – von einer klug erdachten Weltgeschichte bis hin zu einer eigenen Religion ist alles dabei, was das Herz eines jeden Fantasylesers höher schlagen lässt! Ähnlich wie bei Illuminae werden auch hier neue Maßstäbe bei Plotting und Setting gesetzt und andere vergleichbare Bücher blass aussehen gelassen.

Manche Stimmen kritisieren, dass das Buch zu perfekt, zu erdacht und künstlich ist. Ich kann diese Kritik nicht wirklich verstehen! Ist es nicht Sinn und Zweck der Fantastik, je nach Grad der Fantasyelemente der Geschichte durch gutes Worldbuiding Tiefe und Schwere zu verleihen? Ich für meinen Teil lese lieber solche Bücher statt halbgarer hingeklatschter Storys nach Schema F.

Wenn wir schon bei schematisch sind, erinnerte mich der Erzählstrang von Mias Ausbildung in der Red Church an Harrys Zeit in Hogwarts. Ich war ebenso fasziniert von den Ausbildungsfächern und Lehrern wie von den Intrigen und Gefahren, die in der Roten Kirche lauern. Auch hier gilt – nichts für schwache Nerven!

Besonders gut gefallen haben mir die vielen Plottwists und Wendungen, die das Buch nimmt. So bleibt es nur in groben Zügen vorhersehbar und lässt noch genug Raum für die Fortsetzung – welche beim Fischer Verlag bereits für den 26.04.2018 geplant ist.

Als Leser nimmt man an Mias Entwicklung teil – und ist wie die Protagonistin selbst oft hin und hergerissen zwischen dem Wunsch, einfach nur dem Rachedurst nachzugeben und der Gerechtigkeit zum Sieg zu verhelfen und der Hoffnung, dass bei Mia eben dabei nicht das letzte Fünkchen Menschlichkeit auf der Strecke bleibt. Auch hier zeigt sich die Raffinesse des Autors, die Charaktere vielschichtig aufzubauen und entstehende Konflikte nicht nur einseitig zu beleuchten.

Ich habe es gerade doch irgendwie geschafft, euch ein paar sinnvollere Einblicke in Nevernight zu geben als euchlediglich zuzubrüllen „LOOOOS, KAUFT EUCH ALLE DIESES BUCH!!!“

Ein kleiner Hinweis zum Schluss – das englischsprachige Original ist äußerst anspruchsvoll und nur für wirklich geübte Leser geeignet.

Never flinch. Never fear. Never ever forget.

#stabstabstab

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5 Gedanken zu “[Rezension] Nevernight: Die Prüfung – Jay Kristoff

  1. Huhu 🙂

    Ich muss ja zugeben, dass mich das Buch bis jetzt noch nicht wirklich angesprochen hat. Nur ertappe ich mich dabei, dass ich doch mehr und mehr dazu neige, es mir doch zu kaufen haha
    Aber noch bin ich leicht skeptisch, mal schauen wie lange mein Widerstand zum bröckeln braucht 😉
    Schöne Rezi 😀

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