[Rezension] Schamlos – Amina Bile, Sofia Nesrine Srour und Nancy Herz

WERBUNG: Dieses Buch habe ich vom Verlag Gabriel/Thienemann-Esslinger Verlag über die Netzwerk Agentur Bookmark als Rezensionsexemplar erhalten. Vielen lieben Dank dafür!

Meine Lieben,

es gibt so viele wirklich wichtige Bücher! Ich meine damit jetzt keine Bücher, die einen Hype erfahren und uns ein paar amüsante Lesestunden schenken, dann aber bald in der Versenkung des Bücherregals verschwinden. Nein, ich meine Bücher, die den Horizont erweitern, die hängen bleiben und lange nachhallen.

Als ich über das tolle Cover von „Schamlos“ in den Verlagsvorschauen gesehen und die Inhaltsangabe gelesen habe, beschlich mich das Gefühl, dass es genau so ein Buch sein könnte.

Schaut euch mal den Klappentext an, dann wisst ihr sicher, was ich meine:

Für Mädchen ab 12 Jahren. Und für alle Interessierten und Toleranten, die sich mit anderen Kulturen beschäftigen wollen.

Drei junge Frauen – Muslimas, Bloggerinnen, Feministinnen – beziehen Position: Wie fühlt es sich an, ständig zwischen den Erwartungen ihrer Familien, ihrer kulturellen Identität und ihrem Selbstverständnis, als Jugendliche in einem westlichen Land zu leben, hin- und hergerissen zu sein? Sie haben Diskussionen angeregt, Tabu-Themen öffentlich gemacht und zahlreiche sehr persönliche Geschichten gesammelt. Dabei ist ein bemerkenswertes Buch entstanden, ein mutiges Buch.

Dieses Buch ist ein Plädoyer für eine multikulturelle Gesellschaft!

(Quelle: Amazon)

Klingt richtig interessant oder? Als sich über die Netzwerk Agentur Bookmark die Chance bot, das Buch zu besprechen, musste ich natürlich meinen Hut in den Ring werfen und ich hatte Glück.

„Schamlos“ ist zunächst einmal wirklich wundervoll aufgemacht und ich bin sicher, dass alleine das Cover viele Interessierte dazu animieren wird, es sich einmal genauer anzuschauen. Besonderer Clou ist für mich der besondere halbe Schutzumschlag, der der jungen Frau den Mund zu verbieten scheint. Darunter verbirgt sich eine eindeutige Geste, ein Mittelfinger, der sich all denen entgegenreckt, welche jungen Mädchen und Frauen gerade den Mund verbieten, sie mundtot machen wollen.

Die drei Autorinnen Amina Bile, Sofia Nesrine Srour und Nancy Herz sind Bloggerinnen, Feministinnen und Muslimas, welche selbst Erfahrungen mit negativer Sozialkontrolle machen mussten. Sie setzen sich als „Die schamlosen Mädchen“ dafür ein, dass das Thema negative soziale Kontrolle und damit verbundene Schamkultur ins Blickfeld der Gesellschaft gerät und vorhandene Strukturen aufgebrochen werden.

Zugegeben wird im Buch schwere Kost aufbereitet, die mich anhand der vielen realen Beispiele und Geschichten mehr als einmal mit einem dicken Klos im Hals hat schlucken lassen. Mit einer feministisch eingestellten Mutter damit aufgewachsen, dass das Thema Gleichberechtigung ohnehin auf dem Persönlichkeitskompass verankert ist, war es krass, welche Erfahrungen andere machen (müssen).

Wenn man nicht demselben Kulturkreis angehört, ist es oft schwierig, einen Einblick zu gewinnen, der nicht auf gängigen Klischees und Vorturteilen beruht. So kann ich auch die oft aufkommende Kritik verstehen, dass man sich als Außenstehender eigentlich kein richtiges Bild machen kann, es aber dennoch viele zumeist negative Vorurteile gibt, wie etwa zum Thema Kopftuch. Für mich als Nichtmuslima, die ohne konkreteren Bezug zu den Kulturkreisen bisher nicht wirklich einen tatsächlichen Einblick hatte, war es wirklich faszinierend und wichtig, durch das Buch einen Blick hinter die Kulissen gewinnen zu können.Es hat mir gezeigt, mit welchen Problemen man als junge Muslima konfrontiert wird.

Das Buch trifft für mich die ideale Balance zwischen der Aufbereitung des schweren Themas und der eingängigen Darstellungsweise. Es gibt kurze Episoden, in denen Betroffene von ihren Erlebnissen berichten, dann dürfen wir bei Gesprächen der Autorinnen quasi Mäuschen spielen. Durch diese interviewartigen Szenen wird man mit den meist schockierenden Erlebnissen als Leser nicht alleine gelassen sondern erfährt eine Einordnung durch Betroffene, die mitreden können, weil sie diese Art von negativer Sozialkontrolle im eigenen Kulturkreis vorfinden. Man entwickelt hierdurch ein besseres Verständnis für die Lebensweise vor allem junger Muslimas, mit denen man leider viel zu wenig derart intensiv in Kontakt kommt.

Das Buch trifft weiter die ideale Balance zwischen Aufklärung und Darstellung, ohne dabei zu wertend und urteilend zu werden. Es behandelt sensible Themen und stellt den Konflikt junger Muslimas dar, die zwischen traditionellen Werten der Familie und den Freiheiten der westlichen Welt stehen. Den Autorinnen gelingt es dabei, die  Problematiken zu benennen ohne zu beschönigen, aber auch ohne zu urteilen und zu stigmatisieren.Sie zeigen dabei eine innere Kraft und Stärke, mit denen sie sich dafür einsetzen, dass das Thema negative soziale Kontrolle in den Fokus der Gesellschaft gerät und es Betroffenen erleichtert wird, gehört und wahrgenommen zu werden.

Mein Lesehorizont wurde dabei erweitert und ich durfte mit eigenen Vorurteilen kräftig aufräumen. Ich konnte für mich selbst viel durch das Buch mitnehmen und kann so einiges besser einschätzen. Diese Erfahrung wünsche ich noch viel mehr Lesern. Deshalb würde ich gerne jedem zurufen, dass er zu diesem Buch greifen soll, bevor er mit irgendwelchen Vorurteilen um die Ecke kommt.

Dieses Buch gehört für mich in jedes gut sortierte Bücherregal und ist für mich eins der wichtigsten des laufenden Buchjahres! Unbedingt lesen!

#schamlos #feminismus #netzwerkagenturbookmark

 

 

 

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