Wieso „bold“ genau mein Ding ist am Beispiel von ‚River of Violence‘ von Tess Sharpe

Liebe Leute,

letztens habe ich mir von der Seele geschrieben, wieso ich für einige Bücher wohl dann doch irgendwie zu alt bin. Im Zuge dessen möchte ich euch auf einen neuen Stern am Bücherhimmel aufmerksam machen. Stern klingt dabei vielleicht etwas zu weichgespült, Rockstar trifft es womöglich eher.

Die Rede ist natürlich von bold, dem neuen Imprint aus dem Hause dtv!

Schon als ich mich auf der Frankfurter Buchmesse letztes Jahr bei dtv über das neue Imprint informieren durfte, wusste ich, dass das einfach genau mein Ding ist. Logisch, gehöre ich ja irgendwie zur Zielgruppe. Gefühlt gehöre ich mit meinen 31 Jahren ja lesetechnisch zum alten Eisen, was Fantasy und vor allem Young und New Adult angeht. Da ich mich am Wochenende so langsam eher für gemütlich auf der Couch einpennen statt für den wilden Partyabsturz entscheide und mich für Eigenheim und Altersvorsorge interessiere, bin ich auch schon irgendwie zu Adult für New Adult, wo mir die Charaktere und ihre Problemchen im Leben dann doch immer öfter zu jung sind und mich nicht mehr richtig abholen können.

Dennoch bin ich lesetechnisch auch nicht bereit, mich nun komplett dem Feuilleton hinzugeben. Hier kommt dtv ins Spiel, die für mich – und ich denke auch für viele andere Leser – genau dieses Bedürfnis erkannt haben.

‚bold‘ ist ein neues Imprint, das sich an die Digital Natives ab 20 Jahren richtet, also die Generation die mit dem Internet aufgewachsen ist.

Zwei Bücher sind mir beim aktuellen Programm direkt ins Auge gesprungen, die sogar recht ähnlich klingen: Die Rede ist natürlich von Too Late von Colleen Hoover und River of Violence von Tess Sharpe. Letzteres habe ich aktuell gelesen und muss sagen, dass es mich vom neuen ‚bold‘-Prinzip überzeugt hat!

Hier zunächst der Klappentext:

Harley ist acht, als sie ihrem Vater das erste Mal dabei zusieht, wie er einen Widersacher abknallt. Der Drogenbaron hat mehr Waffen geschmuggelt, mehr Meth gekocht, mehr Männer getötet, als irgendwer anders in der Gegend. Nun, da sie erwachsen ist, arbeitet Harley für ihn, stützt sein System und wird als seine Nachfolgerin gehandelt, obwohl sie den ewigen Kreislauf aus Mord, Leid und Rache hasst und durchbrechen möchte.

Gleichzeitig tritt die mächtige Springfield-Familie auf den Plan, Dukes größte Konkurrenz im Drogengeschäft, und inmitten dieses blutigen Revierkampes muss Harley sich entscheiden: Für die Familie, ihren Vater, das System – oder für ihr Leben und ihre Freiheit.

(Quelle: Amazon)

Wieso ist „River of Violence“ nun also so anders als die Bücher, zu denen ich üblicherweise so greife?

Die Handlung – Explizit Content:

Es geht ordentlich zur Sache in River of Violence. Das Buch ist sicher nichts für Leser mit gewissen Triggern oder allzu schwache Nerven. Die Handlung ist nicht weichgespült oder an ein Publikum U18 angepasst, ist aber auch nicht so knacketrocken und melancholisch angehaucht wie manch ein Krimi oder Thriller aus der Spiegel-Bestsellerliste. Sie konnte mich durchweg fesseln und abholen, teilweise sogar richtiggehend schocken!

Besonders sind die rückblickenden Kapitel in Form von Zeitsprüngen, die sich mit der erzählenden Figur abwechseln. Dies mag sicher nicht jedermanns Geschmack sein, wird dadurch der Lesefluss strapaziert und man muss sich immer wieder von neuem auf das Erzählte einlassen. Ich finde, dass die Zeitsprünge zur Geschichte passen, da sie – passend zum jeweiligen Aufhänger des Kapitels – dem Leser Hintergrundwissen vermitteln und so die Beweggründe der Charaktere näher bringen. Der Aufbau ist auf jeden Fall ‚bold‘, da das Buch mit Sicherheit sich nicht einfach locker flockig runter lesen lässt und den Leser durchweg fordert.

Es werden sperrige, unangenehme Themen angesprochen, ohne dabei ins Klischee abzudriften oder an Glaubwürdigkeit zu verlieren.

Die Action

Es geht ordentlich zur Sache, die Protagonisten haben auf jeden Fall keine Samthandschuhe an! Ein Ereignis jagt das nächste und man kommt kaum zum Luftholen, da auch die erwähnten Zeitsprünge keine Atempause bieten. Die Szenen sind dabei sehr explizit, was mit Sicherheit nicht jedermanns Geschmack ist. Für mich hat der rohe Stil zu Story und Charakteren gepasst, alles andere wäre für mich unglaubwürdig gewesen.

Die Charaktere

Gleiches gilt für die Protagonisten. Auch hier gibt es keine angepassten, überhöhten Charaktere. Diese sind vielmehr durch ihre Lebenserfahrung geprägt und lassen sich dadurch nicht einfach in Gut und Böse einteilen. Die Autorin schafft es dabei, dass man als Leser die Beweggründe aufgrund der Lebensumstände der Charaktere nachvollziehen kann. Alle sind geprägt durch erlebte Gewalt, wobei im Buch deren diverse Erscheinungsformen thematisiert werden.

Besonders gut hat mir dabei der Fokus auf den Frauen gefallen, die in unserer Gesellschaft allzu oft Opfer von Unterdrückung, Gewalt und gesellschaftlichen Zwängen sind. Hier wird aufgezeigt, dass diejenigen, die bisher keine Wahl hatten, sich diese Möglichkeit der Wahl zurückkämpfen und für sich selbst einstehen. Das Buch ist für mich ein wichtiges Statement zum Thema Empowerement mit dem entsprechenden Twist, dass ausgelebter Sexismus oft eine Schwäche des Gegenübers ist und gegen ihn verwendet werden kann. Grandios!

Wer kennt ‚bold‘ bereits und welche Bücher habt ihr gelesen?

 

 

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s