[Rezension] Die Ewigkeit in einem Glas – Jess Kidd

WERBUNG: Dieses Buch habe ich vom DuMont Verlag über Vorablesen als Rezensionsexemplar erhalten. Vielen lieben Dank dafür!

Ihr Lieben,

erneut habe ich über Vorablesen und den Dumont-Verlag ein Buch für mich entdecken können, das ich sonst in meiner Blase wohl eher nicht für mich entdeckt hätte und das nun zu meinen absoluten Lieblingen gehört! Die Rede ist von „Die Ewigkeit in einem Glas“ von Jess Kidd. Ihre anderen Bücher sind nun ganz weit oben auf die Wunschliste gewandert.

Darum gehts in „Die Ewigkeit in einem Glas“:

London 1863. Bridie Devine, Privatdetektivin und Expertin für kleinere chirurgische Eingriffe, erhält den Auftrag, die entführte Tochter des Adligen Sir Edmund zurückzubringen. Alles an dem Fall ist beängstigend seltsam: der nervöse Vater, die feindselige Dienerschaft, der windige Hausarzt. Allen voran aber die verschwundene Christabel, die kaum je einer gesehen hat. Doch zunächst ist die energische Bridie ganz in ihrem Element, denn sie liebt vertrackte Fälle. Zudem fühlt sie sich beschützt von ihrem neuen Begleiter, Ruby – der ist zwar tot, aber wen stört das schon. Als sich Bridie jedoch Zugang zu Christabels Räumen verschafft, begreift sie, was das Besondere an dem Mädchen ist und dass dieses in großer Gefahr schwebt. Und noch etwas ahnt sie: Ihr größter Widersacher aus der Vergangenheit, ein herzloser und grausamer Sammler menschlicher Kuriositäten, von dem Bridie gehofft hatte, dass er tot sei, ist wieder aufgetaucht, und er wird zu ihrem gefährlichsten Gegner bei der Suche nach Christabel.

Außenseiter, Schurken und seltsame Wesen bevölkern den spannenden Roman von Jess Kidd, in dem sie ein lebendiges Bild der englischen Gesellschaft zwischen Aberglaube und Fortschritt zeichnet.

»Man möchte sich verneigen vor Jess Kidd.« Susanne Mayer, DIE ZEIT

»Ihre Sprache und ihr Gespür für Atmosphäre erinnern an einige der großen Autoren von Ghost Stories des 19. Jahrhunderts – würde sich Jess Kidd für dieses Genre entscheiden, würde sie alle in den Schatten stellen.« John Boyne, Autor von ›Der Junge im gestreiften Pyjama‹

»Jess Kidds Geschichten sind so zauberhaft, dass sie ein eigenes Genre bilden sollten. ›Die Ewigkeit in einem Glas‹ ist exquisit. Perfektes Geschichtenerzählen.« Joanna Cannon, Autorin von ›Der Sommer der schwarzen Schafe‹

»Das Düster-Groteske des viktorianischen Londons. Die Außenseiter, Schurken und Monster. Die Zärtlichkeit, die an unerwarteten Orten zu finden ist. Ich habe jede Seite von ›Die Ewigkeit in einem Glas‹ genossen.« Claire McGlasson, Autorin von ›The Rapture‹

(Quelle: Amazon)

Jess Kidds außergewöhnlich starker Schreibstil zeigt sich bereits in den ersten paar Zeilen, mit denen sie den Leser sofort einzufangen weiß. Gleichzeitig abstoßende und erschreckend schöne Zeilen, gewaltige Sprachbilder mit zerbrechlichen und gleichzeitig starken Charakteren.

Direkt zu Beginn wird der Leser umgehend in die Handlung hineingesogen und trifft auf bizarre, ja surreal wirkende Bilder. Der Spannungsbogen bleibt konstant hoch, obwohl es immer wieder zu Rückblenden kommt, bei denen man sich schon konzentrieren und am Ball bleiben muss. Hierdurch wird die Geschichte aber äußerst komplex und gewinnt an Tiefe, sind es doch zu Beginn lose scheinende Erzählfäden und Geschichten in der Geschichte, die gegen Ende ein großes Ganzes ergeben.

Geschickt versteht es die Autorin surreale und auf eine gewisse Art abstoßende Wesen und Charaktere heraufzubeschwören, für die man aber ein Verständnis entwickelt und sogar Mitleid hat. Das Bild des mystischen Mädchens Christabel ist eine Ode an Menschen, die nicht in die Norm passen und die ihrer Umwelt zum Teil hilflos ausgesetzt sind. Umso berührter hat mich das für sie vorgesehene Ende.

Auch die Hauptprotagonistin, Privatdetektivin Bridie Devine, ist eine Person, die aus der Rolle fällt. Für ihre Zeit stark emanzipiert, wirkt sie auf ihr Umfeld schrullig und skurril. Trotz harter Schale zeigt sie insbesondere auch in den Rückblenden einen weichen Kern und ist somit ein unglaublich liebevoller Charakter, mit dem man sich (insbesondere als Frau) wahnsinnig gut identifizieren kann.

Das Worldbuilding des London Ende des 19. Jahrhunderts auf dem Sprung in die Moderne ist in seinen Beschreibungen wundervoll gelungen und ein schaurig schönes Setting für die Handlung des Kriminalromans. London ist quasi ein eigener Charakter, der seine unterschiedlichsten Gesichter zeigen darf. Es ist ein Sittenbild des von gesellschaftlichen Zwängen geprägten alten Weltbilds und Charakteren, die ihrer Zeit bereits einen Schritt vorausgegangen sind.

Das zeigt sich ganz besonders an den queeren und LGBT- Charakteren, die die Autorin ohne großes Getöse und ganz subtil und selbstverständlich in die Geschichte mit einbaut ohne ständig darauf hinweisen zu müssen, wie divers sie die Gesellschaft abbildet. Genau diese Art von Selbstverständlichkeit würde ich mir bei anderen Autoren ebenfalls wünschen!

Dieses Buch hat einfach alles: vielfältige Charaktere, eine spannende Handlung und eine unterschwellige Tiefgründigkeit, die den Leser tief berührt zurücklässt. Abgerundet wird die Geschichte durch den grandiosen Stil der Autorin, der seinesgleichen sucht. Ich hoffe, dass die Autorin weitere Geschichten rund um Briedie Devine schreiben wird. Die Ewigkeit in einem Glas ist pures Lesevergnügen.


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