[Rezension] Der Wassertänzer – Ta-Nehisi Coates

WERBUNG: Dieses Buch habe ich vom Blessing Verlag als Rezensionsexemplar erhalten. Vielen lieben Dank dafür!

Ihr Lieben,

wie so oft hat „Der Wassertänzer“ mich bereits bei Erscheinen des englischen Originals schwer angefixt, wurde das Buch auch im englischsprachigen Raum in den höchsten Tönen gelobt. Auf der Frankfurter Buchmesse habe ich am letzten Messetag eine Art Leseprobe des Blessing Verlags gefunden und mein Bücherherz hat gejauchzt vor Glück, dass so schnell eine deutsche Übersetzung auf den Markt gekommen ist.

Damit ihr meine Euphorie besser nachvollziehen könnt, habe ich hier den Klappentext für euch:

Bisher kannte Hiram Walker nichts als ein Leben in Ketten. Aufgewachsen in der Sklaverei, musste er als kleiner Junge miterleben, wie seine Mutter verkauft wurde und für immer verschwand. Doch sie hat ihm eine seltene Gabe vererbt. Als diese ihn vor dem Ertrinken rettet, beschließt er aus der Gefangenschaft zu fliehen.

So beginnt für Hiram eine abenteuerliche Reise von den Tabakplantagen West Virginias über geheime Guerillazellen in der Wildnis des amerikanischen Südens nach Philadelphia, wo ihn ein völlig neues Leben in Freiheit zu erwarten scheint.

Doch zuvor muss er noch eine alte Rechnung begleichen und die Frau, die er liebt, und die, die ihn aufzog, in die Freiheit führen.

(Quelle: Amazon)

Der Wassertänzer ist so ein Buch, das bereits durch die ersten Sätze zu überzeugen weiß. Ta-Nehisi Coates überzeugt durch einen einnehmenden, dynamischen Schreibstil voller Wortgewalt und eindrucksvoller, fast poetischer Schachtelsatzkonstruktionen. Dies mag vielleicht für den ein oder anderen erstmal abschreckend wirken, ist es doch aber ein eindrucksvolles Stilmittel in Bezug auf Hirams Innenleben.

Genau diese Hauptfigur nämlich lebt als Sklave auf einer Tabakplantage und hat dabei als Sohn des Plantagenbesitzers eine seltsame Zwitterstellung inne. Und so zeigt sich gleich zu Beginn die Zerrissenheit Hirams zwischen seinen besonderen Banden zur Plantage und seiner eigentlichen gesellschaftlichen Stellung als Besitz eines anderen Menschen. Dies wird umso deutlicher, wenn der kluge und begabte Hiram seinem weißen, privilegierten Halbbruder Maynard gegenübergestellt wird. Allein hierdurch wird die Ungerechtigkeit des Systems sowie das Konstrukt der Ausbeutung der Arbeitskraft und Klugheit der „Verpflichteten“ deutlich. Es lässt den Leser quasi verzweifeln, wenn Hiram mit seinen Begabungen dennoch dem System nicht entfliehen kann und die Gewinner immer nur auf einer Seite stehen.

Und so bedarf es für Hiram einer ganz besonderen Art von Begabung, die sein Schicksal zum Besseren wendet. Mit dieser kann er nach viel Schmerz, Verlust und Leid den Zwängen der Sklaverei endlich entkommen und findet seinen Weg zum Underground. Aber auch hier muss Hiram feststellen, dass es nicht jeder nur gut mit ihm meint sondern dass die Menschen auch oft aus Eigennutz handeln.

Hiram werden hierbei eine Vielzahl an Nebencharakteren gegenübergestellt, die durch ihre Geschichten dem Leser die unterschiedlichsten Leidensgeschichten der Sklaverei nahebringen. Hierdurch wird das Buch soviel mehr als dass der Leser Hiram auf seiner Reise begleiten kann. Es ist eine brutale, schonungslos ehrliche Bestandsaufnahme des Schreckens der Sklaverei und des Rassismus, der auch heutzutage noch zu spüren ist.

Die Handlung ist flüssig geschrieben und spannend. Ta-Nehisi Coates kann mit einigen starken Wendungen und ungewöhnlichen Ideen aufwarten. Durch Hirams Reise von der Sklavenplantage des im Zerfall befindlichen West Virginias mit dem Underground zum freien Philadelphia zeigt auch die gesellschaftliche Zerrissenheit im Vorfeld des amerikanischen Bürgerkrieges wieder. Der Autor hat die Stimmungen der unterschiedlichen Regionen und Weltansichten wundervoll eingefangen, „Der Wassertänzer“ ist dadurch ein sehr stimmungsvolles Gesellschaftsbild geworden.

Hiram ist dabei ein authentischer Charakter, der sich mit den unterschiedlichsten Fragen der Ethik und Moral auseinandersetzen muss, auch was sein eigenes Handeln angeht. Ist wirklich jedes Mittel recht, um ein großes Übel wie die Sklaverei zu bekämpfen? Oder wird das eigene Ideal durch Verwendung unmoralischer Mittel abgewertet und entwertet? Dabei spielen im Buch sowohl Liebe und Menschlichkeit ebenso eine Rolle wie Scham oder Reue als Antriebsmotiv für die Charaktere.

Der Wassertänzer ist einerseits ein spannendes Buch, welches der Person Hiram auf der Suche nach Freiheit zu sich selbst begleitet, andererseits aber die schwere Thematik der Sklaverei und des Rassismus aufarbeitet, ohne dabei dem Leser immer mit erhobenem Zeigefinger zu begegnen. Alleine seine Charaktere schaffen es dabei, nachhaltig auf den Leser einzuwirken und ihn zum nachdenken zu bringen. Gerade in der heutigen Zeit mit wieder salonfähig werdendem Rassismus ein für mich sehr wichtiges Buch! Unbedingt lesen!


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