[Rezension] Miracle Creek – Angie Kim

WERBUNG: Dieses Buch habe ich von Vorablesen und dem Verlag hanserblau als Rezensionsexemplar erhalten. Vielen lieben Dank dafür!

Eine der Neuerscheinungen dieses Jahr ist ganz klar „Miracle Creek“ von Angie Kim. Bereits das Cover lässt stark auf den Inhalt schließen, weshalb ich hier den Klappentext für euch habe:

Wie weit würden wir gehen, um unsere schamvollsten Geheimnisse zu bewahren? „Mit durchdringender Menschenkenntnis führt Angie Kim tief in das Innenleben ihrer Charaktere.“ (Los Angeles Times)

In der Kleinstadt Miracle Creek in Virginia geht ein Sauerstofftank in Flammen auf. Zwei Menschen sterben – Kitt, die eine Familie mit fünf Kindern zurücklässt, und Henry, ein achtjähriger Junge. Im Prozess wegen Brandstiftung und Mord sitzt Henrys Mutter Elizabeth auf der Anklagebank. Und die Beweise sind erdrückend. Hat sie ihren eigenen Sohn ermordet? Während ihre Freunde, Verwandten und Bekannten gegen sie aussagen, wird klar: In Miracle Creek hat jeder etwas zu verbergen.

(Quelle: Amazon)

Das Buch behandelt wirklich außergewöhnliche Themen und verpackt diese dabei umso menschlicher. Zum einen geht es um die Thematik des Rassismus gegenüber asiatischen Zugewanderten und den Problemen der Zuwanderer, sich im neuen, „amerikanischen“ Way of Life zurechtzufinden. Immer wieder finden sich Beispiele des Alltagsrassismus im Buch welche aufzeigen, was auch diese immer wiederkehrenden Konfrontationen für Folgen bei den Betroffenen auslösen können. Zum anderen geht es um das Thema Autismus, besonders berührend am Beispiel betroffener Kinder und deren Eltern.

Miracle Creek ist unglaublich geschickt aufgebaut. So erlebt der Leser ein Gerichtsverfahren, bei dem die Schuldige bereits festzustehen scheint. Durch Zeugenbefragungen und Aussagen erschließt sich nach und nach ein scheinbar schlüssiges Szenario, welches zu dem tragischen Tod zweier Menschen geführt hat. Abgewechselt wird dies durch Einblicke in Gedankenwelten der Beteiligten, aus denen sich weitere Hinweise und Erkenntnisse ergeben, zunächst diffus, dann immer konkreter, aus denen sich nach und nach das tatsächliche Geschehen ergibt. Abwechselnd kommen alle mit dem Unglück beteiligten Personen zu Wort. Der Leser wird hierdurch nicht nur einmal auf die falsche Fährte geführt und angeregt, immer wieder ein Zwischenfazit zum wahren Hergang zu ziehen, dass dann bereits im nächsten Kapitel wieder über den Haufen geworfen wird. Dadurch ist der Spannungsbogen konstant hoch und Miracle Creek unglaublich fesselnd. Man möchte unbedingt wissen, was wirklich passiert ist!

Gepaart wird diese Handlung mit sehr authentisch aufgebauten Charakteren. Auch wenn man oft zwischen Sympathie und Abscheu schwanken kann, so ist doch jede Figur und jeder Beweggrund stark ausgearbeitet und somit für den Leser nachvollziehbar. Besonders stark sind hier die Erfahrungen der Personen mit den Thematiken Migration, Alltagsrassismus und Autismus dargestellt und haben sehr oft etwas in mir anrühren können.

In Miracle Creek hat jeder etwas zu verbergen und alles hängt miteinander zusammen. Es macht bewusst, wie sehr auch unsere kleinsten Handlungen und die unscheinbarsten Umstände Auswirkungen auf andere haben und Dinge ins Rollen bringen können, die dann nicht mehr aufzuhalten sind. Es lässt darüber reflektieren, wie man selbst als Betroffener in solch einer Situation handeln würde und wie gedankenlos man durchs Leben geht.

Auch behandelt es Thematiken wie Schuld, Sühne und Eigenverantwortlichkeit. Was würde man tun, um die zu schützen, was man liebt? Inwiefern übernimmt der Einzelne Verwantwortung für sein Handeln? Oder lässt man zu, dass es ein Bauernopfer gibt, um die eigene Haut zu retten? Und wie schnell verurteilen wir jemanden aufgrund äußerer Umstände, ohne seine Seite der Geschichte zu kennen? Ein wirklich klug aufgebautes Buch voll handfestem Inhalt, das stark nachwirkt, dabei aber nicht den Lesespaß zu kurz kommen lässt.

Eine absolute Leseempfehlung!


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