[Rezension] Die nicht sterben – Dana Grigorcea

WERBUNG: Dieses Buch habe ich vom Penguin Verlag als Rezensionsexemplar erhalten. Vielen lieben Dank dafür!

Liebe Leser,

eine DER Neuerscheinungen im März 2021 ist für mich „Die nicht sterben“ von Dana Grigorcea, einem Buch, dass die Geschichte Draculas aufgreift und aus moderner Perspektive beleuchtet. Klingt richtig genial, oder?

Hier ist der Klappentext für euch:

»Ihre Prosa ist wie mit dicken Pinselstrichen gemalt, draufgängerisch, genüsslich, üppig und humorvoll.« Anne-Catherine Simon, Die Presse

Eine junge Bukarester Malerin kehrt nach ihrem Kunststudium in Paris in den Ferienort ihrer Kindheit an der Grenze zu Transsilvanien zurück. In der Kleinstadt B. hat sie bei ihrer großbürgerlichen Großtante unter Kronleuchtern und auf Perserteppichen die Sommerferien verbracht. Eine Insel, auf der die kommunistische Diktatur etwas war, das man verlachen konnte. „Uns kann niemand brechen“, pflegte ihre Großtante zu sagen. Inzwischen ist der Kommunismus Vergangenheit und B. hat seine besten Zeiten hinter sich. Für die Künstlerin ist es eine Rückkehr in eine fremd gewordene Welt, mit der sie nur noch wenige enge Freundschaften und die Fäden ihrer Familiengeschichte verbinden. Als auf dem Grab Vlad des Pfählers, als Dracula bekannt, eine geschändete Leiche gefunden wird, begreift sie, dass die Vergangenheit den Ort noch nicht losgelassen hat – und der Leitspruch ihrer Großtante zugleich der Draculas ist. Die Geschichte des grausamen Fürsten will sie erzählen. Am Anfang befürchtet sie, dass sie die Reihenfolge der Geschehnisse verwechseln könnte. Dann wird ihr klar: Jede Reihenfolge ergibt einen Sinn. Weil es in der Geschichte nicht um Ursache oder Wirkung geht, sondern nur um eines: Schicksal. Inzwischen aber ist es für jede Flucht zu spät.

Dana Grigorcea zeichnet ein atemberaubend atmosphärisches Porträt der postkommunistischen Gesellschaft, die bis heute in einem Zwischenreich gefangen scheint. Ohne Vorwarnung führt sie ihre Leserinnen und Leser ins Herz eines Schreckens, wie ihn nur die eigene Vorstellungskraft erzeugen kann – oder der gestrenge Fürst Dracula.

(Quelle: Amazon)

Die Autorin erschafft im Buch eine unglaubliche Atmosphäre, die den Leser völlig in seinen Bann zu ziehen vermag. Es entstehen Bilder vor den Augen des Lesers, man kann die flirrende Luft fast riechen. So gleiten die Seiten mit der Erzählung dahin wie in einem fiebrigen Traum, den auch unsere Protagonistin zu haben scheint. Oder sind ihre Erlebnisse etwa echt? Es verschwimmen Realität mit der Erwartungshaltung der Bevölkerung, mit alten Mythen und realen Schrecken sowie mit der Erwartung des Lesers. Und dies schafft Dana Grigorcea auf ganz poetische Art und Weise, sodass man auf wundervolle Art völlig eingelullt ist von der Geschichte. Man lässt sich treiben im Erzählfluss und staunt über die Dinge, die passieren – oder eben nicht.

Diverse Zeitschienen verschwimmen in der Erzählung gekonnt zu einem großen Ganzen, bei dem der Leser auch auf der Hut sein muss. Unsere Protagonistin spricht den Leser oft direkt an um ihre Erzählung mit vermeintlichem Wahrheitsgehalt zu untermauern, sodass man auch schnell eine Bindung zu ihr und ihren Erlebnissen aufbaut. Bei diversen Szenen musste ich gegruselt kurz die Luft anhalten, aber auch brutale Szenen werden mit gekonnter Sprache beschrieben, sodass hier die Autorin nie ihren ganz speziellen Ton verliert.

Dabei zeigt die Autorin auch einen gekonnten Blick in die Vergangenheit, welcher für mich, die den kalten Krieg und den Zerfall der Sowjetunion nicht bewusst erlebt hat, ungewohnt und dadurch umso faszinierender war. Man sieht den Zerfall und die Armut, die Rückständigkeit gemixt mit grandiosen Landschaften und dem historischen Erbe der Region sowie dem Versuch, aus all dem nochmal was zu machen. All dies hat etwas unglaublich romantisches, das Setting war für mich einzigartig und wirkte auch lange nach.

Gut gelungen ist dieser Mix aus Tradition und Moderne, aus Rückwärtsgewandtheit und Fortschrittssehnsucht. Gekonnt eingebaut sind unterschwellige Kritik etwa an der heutigen Sensationsgier von Selfiesüchtigen, die immer auf der Suche nach dem perfekten Shot ihre Umgebung gar nicht mehr richtig wahrnehmen können.

Während des Lesens wusste ich nicht recht wohin mit meinen Gedanken, wollte ich doch die Geschichte fassen und einordnen. Durch den Erzählfluss gefangen habe ich das Buch recht schnell am Stück runterlesen können, hat es doch einen ordentlichen Sog erzeugt, der mich gefesselt hat. Einerseits neugierig, andererseits skeptisch, folgte ich der Handlung bis zu einem Ende, dass mich überrascht und überrumpelt aber auch mit meiner Erwartungshaltung vollkommen versöhnt hat. „Die nicht sterben“ hat einige Tage in mir nachgewirkt und je länger ich darüber nachgedacht habe, umso besser hat es mir gefallen.

Ich bin froh, dass ich das Buch lesen durfte, es hat meine Erwartung vollkommen erfüllt wenn nicht gar übertroffen. Absolute Leseempfehlung meinerseits!


2 Gedanken zu “[Rezension] Die nicht sterben – Dana Grigorcea

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